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Mittelerde: Mordors Schatten

Mittelerde

Irgendwo in Mittelerde. Die Geschichte um den „Hobbit“ liegt hinter uns. Dagegen hat der „Herr der Ringe“ noch nicht die BĂŒhne betreten. In diesem kleinen zeitlichen Rahmen durchstreifen wir die friedlebenden WĂ€lder, in denen Saurons Zugriff spĂŒrbar wird. Das Böse trachtet nach Macht und stillt seine Mordlust mit fremdem Blut. Das neue Spiel „Mittelerde: Mordors Schatten“ aus dem Hause Monolith hat daraus eine Story aus Treue und Rache entwickelt, die einen neuen Meilenstein des Adventuregenres setzen dĂŒrfte.

Rache fĂŒr die Familie
Direkt zum Beginn des Spiels fĂŒhrt uns das Tutorial zu den WaldlĂ€ufern. Hier erlernen wir das Rennen und Springen, das KĂ€mpfen und Schleichen. Ebenso lernen wir die Familie von Talion kennen. Allesamt in der Wildnis von Gondor aufgewachsene Wesen, stĂ€ndig auf der Flucht vor den Schergen Saurons. Doch kaum fĂŒhlen wir uns heimisch, tritt der Schrecken in unsere Welt. Alle StammesbrĂŒder von Talion werden auf blutrĂŒnstige Weise ums Leben gebracht. Nur der krĂ€ftige Bursche selbst kann entkommen – wenngleich er dabei auf die Hilfe eines Schmiedes aus dem Kreise der Elben angewiesen ist. Dessen Seele schlĂŒpft in Talions Körper und fĂŒhrt nun einen unbarmherzigen Rachefeldzug an. Doch wer hat eigentlich den Auftrag fĂŒr das Morden gegeben? Es beginnt eine spannende Reise durch Mittelerde, die uns nicht nur Mut und Tatkraft abverlangt, sondern auch unser GedĂ€chtnis und unsere Sinne auf manch harte Probe stellt.mittelerde

Viele Wege fĂŒhren ans Ziel
Die nun zu bewĂ€ltigenden Missionen unterteilen sich. Einerseits stehen wir vor den hauptsĂ€chlichen Aufgaben: Informationen mĂŒssen gesucht, Orks getötet und somit die HintermĂ€nner des Massakers gefunden werden. Andererseits können wir in einigen Nebenmissionen um die Gunst der Elben und anderer Fabelwesen buhlen. ErfĂŒllen wir ihnen kleinere GefĂ€lligkeiten, so versorgen sie uns mit Waffen oder manchem Tipp. Allerdings ist das nicht zwingend notwendig, da wir im Ernstfall schon jeden wichtigen Hinweis aus unseren Gegnern herauspressen können. In jeder Horde, mit der sich uns die Orks in den Weg stellen, befinden sich wenige AuserwĂ€hlte, die ein grĂŒnes Symbol ĂŒber dem Kopf tragen. Einen oder zwei von ihnen sollten wir trotz aller Rachsucht zunĂ€chst einmal am Leben lassen – sie können uns weitere Informationen geben. Mit einigen von ihnen mĂŒssen wir sogar regelrecht zusammenarbeiten. Auch das wirkt spannend und durchdacht, schon kleinste Fehler ruinieren unseren lange geplante Mission.

Ein Klick zu viel, ein Klick zu wenig
Durch das gesamte Game auf der Playstation manövrieren wir uns mit dem Kontroller. Schnell geht uns die Tastenbelegung ins Blut ĂŒber. Etwas mehr mĂŒssen wir uns dagegen auf bestimmte Kombinationen konzentrieren, die eine gewisse Abfolge der Klicks in kurzer Zeit erfordern. Das wird zumindest dann wichtig, wenn wir einen Ork nicht alleine schwer verletzen, sondern gĂ€nzlich exekutieren wollen. Machen wir dabei etwas falsch, ist unser Gegner zwar fĂŒr einige Sekunden bewusstlos – kann anschließend aber wieder in die Schlacht eingreifen und uns somit hinterrĂŒcks ĂŒberfallen. Speziell im Tutorial erlernen wir aber alles, was wir zum Überleben benötigen. Intuitiv entwinden wir uns einer Attacke, indem wir in die Höhe springen, einen eigenen Angriff athletisch aus dem Hinterhalt ausfĂŒhren oder vor einer Übermacht an Feinden die Beine in die Hand nehmen. In jeder Situation stehen mehrere Lösungsmöglichkeiten offen – nicht selten entscheidet die richtige Anwendung des Kontrollers ĂŒber Erfolge und Niederlagen.mittelerde04

Ohne Taktik geht es nicht
Doch so eindrucksvoll die physischen Eigenschaften des KĂ€mpfers auch genutzt werden können – schnell wird klar, dass das Ziel ohne eine gehörige Portion Cleverness fĂŒr immer verschlossen bleiben wird. Zuweilen sind die gegnerischen Armeen zu groß, Hindernisse lassen sich nicht aus dem Weg rĂ€umen oder es lauern Gefahren in der Dunkelheit, die ein Weiterkommen erschweren. In diesen FĂ€llen lohnt es sich, die Umgebung zu erkunden. HĂ€ufig lassen sich hier kleine oder große Hilfsmittel finden. Grubenlampen können etwa ein herrliches Feuer entfachen und damit einen Wald in Flammen setzen. Wilde Tiere, zum VergnĂŒgen der Orks eingesperrt, richten ein wahres Blutbad an, werden sie erst einmal von fremder Hand in die Freiheit entlassen. Messer, Steine oder Holzscheite – richtig benutzt, reifen sie zu Waffen und Werkzeugen heran. Oftmals steht dem Spieler die Wahl mehrerer Mittel offen. Nicht alle von ihnen sind hilfreich. Logisches Denken und der Mut zum Herumexperimentieren stellen aber brauchbare FĂ€higkeiten dar.mittelerde06

Volle Attacke voraus
Allerdings ist Talion in der meisten Zeit auf sich alleine gestellt. Ihm bleibt also nichts Anderes ĂŒbrig, als sich klug zu verhalten – auch und gerade beim Angriff. Seine Gegner mögen nicht sonderlich clever sein. Über die Eigenschaft des strategischen Denkens verfĂŒgt die kĂŒnstliche Intelligenz erst recht nicht. Dennoch endet jeder Kampf unbefriedigend, wenn wir unseren WaldlĂ€ufer gegen eine grĂ¶ĂŸere Übermacht in Szene setzen wollen. Besser gelingt es dagegen, wenn Talion von Klippen herabspringen, unter BrĂŒcken hindurchtauchen oder sich hinter BĂŒschen verstecken kann. Erst in diesen Situationen spielt er seine gesamten StĂ€rken aus und kann den Überraschungsangriff nutzen, um zwei oder drei Orks ins Jenseits zu befördern. In vielen Missionen ist es daher ratsam, vor dem Angriff erst einmal die Lage zu erkunden und genau zu studieren, von welchem Punkt auf der Landkarte die eigene Offensive ausgefĂŒhrt wird. Denn die Gegner wissen ihre Vorteile fĂŒr sich nur selten zu nutzen.

Nur wenige eigene Ideen
Allerdings kommen wir damit nicht umhin, die SchwĂ€chen des Spiels zu erkennen. Wer sich in dem Genre der Adventuregames bereits einigermaßen auskennt, wird sich an vielen Stellen von „Mittelerde: Mordors Schatten“ fragen, ob er dieses oder jenes nicht bereits irgendwo erlebt habe. Richtig gedacht. Das Angriffssystem und die Tastenbelegung deuten auf Anleihen anderer Spiele. Vorbild standen dabei ganz offensichtlich „Far Cry“, „Assassin‘s Creed“ oder „Watch Dogs“. Das muss erst einmal nichts Negatives sein. Gutes bewĂ€hrt sich eben. Dennoch wĂŒnschten wir uns wĂ€hrend der Reise durch Mittelerde hin und wieder doch etwas Neues, Überraschendes, vielleicht sogar etwas noch nie Erlebtes. Stattdessen drĂŒcken wir intuitiv schon im Tutorial die richtigen Tasten. Die Softwareschmiede Monolith hat zweifellos lange Monate der Entwicklung in das Game gesteckt – gerade deswegen ist es aber schade, dass man die Handlungs- und Bewegungssteuerung mehr oder weniger von bereits bestehenden Spielen kopiert hat, statt sich dabei etwas Eigenes zu kreieren.mittelerde07

Von einem Kampf zum nÀchsten
Noch ein weiterer kritikwĂŒrdiger Punkt lĂ€sst sich nicht leugnen. Zwar macht es Spaß, die Schergen Saurons durch Mittelerde zu jagen, wertvolle Informationen zu erhalten und sodann mit List, TĂŒcke und Kraft in das Kampfgeschehen zu ziehen. Aber alles das wirkt etwas eintönig, wenn wir es wieder und wieder durchfĂŒhren mĂŒssen. Dem Spiel fehlt ein wenig die Abwechslung. Belebende Elemente wurden beinahe gĂ€nzlich ausgespart. Wir mĂŒssen uns wĂ€hrend der Missionen nie auf neue Herausforderungen einstellen oder unsere Herangehensweise an ein Ziel ĂŒberdenken. Bei einer gesamten Spieldauer von etwa 35 bis 40 Stunden kann da hin und wieder schon ein wenig Tristesse aufkommen. Zwar versöhnt uns die atemberaubende AtmosphĂ€re. Aber das gesamte Spielgeschehen ist etwas zu sehr auf den Kampf ausgelegt – statt unseren Einfallsreichtum, unser logisches Denken oder unsere KreativitĂ€t hĂ€ufiger auf die Probe zu stellen. Auch in diesem Punkt hĂ€tte Monolith ein wenig grĂŒndlicher arbeiten können.mittelerde08

Das Fazit: Eine deutliche Empfehlung
„Mittelerde: Mordors Schatten“ mag an einigen Stellen zu wenig ausgereift wirken oder sogar handfeste SchwĂ€chen aufweisen. Doch trotz seiner geringen KomplexitĂ€t macht das Spiel einfach nur Spaß. Wie bereits in den vorherigen Games zum Film „Herr der Ringe“, so begegnen wir auch diesmal alten Bekannten wie Sauron oder Gollum. Wir erleben die gesamte Geschichte aus einer anderen, aus einer eigenen Perspektive. Durch die Rache an unserer Familie verfolgen wir Talions Ziele und kommen erst durch die richtige Dosierung aus Kraft und Cleverness der Lösung auf der Spur. Eine klare Kaufempfehlung fĂŒr das Game, das die langen Tage des Winters verkĂŒrzen wird.

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