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DriveClub – Fahrspaß mit Mängeln

DriveClub für die PlayStation 4 soll das Loch stopfen, welches im Vergleich zur Xbox One klafft: Dort gibt es mit Forza Horizon 2 und Forza 5 bereits mindestens zwei ordentliche Rennspiele. Nach einer mehrmonatigen Verschiebung (bereits Anfang 2014 sollte das Programm erhältlich sein) soll es nun soweit sein – aber kann der Titel für die PS4 tatsächlich die hohen Erwartungen erfüllen?
Optisches Highlight


Wie nicht anders zu erwarten war, setzt DriveClub insbesondere optisch ganz neue Maßstäbe: Zwar wird das Geschehen nur in 1080p mit 30 Bildern pro Sekunde ausgegeben – und 60 Bilder pro Sekunde sind gerade in Rennspielen eine deutliche Qualitätssteigerung –, aber für den Genrethron reicht es dennoch. Wer nur beiläufig auf den Flachbildfernseher schaut und sich nicht bewusst ist, dass hier gerade ein Spiel über das Display flimmert, könnte auch glauben, dass es sich um eine Reisereportage oder eine Zusammenfassung eines Sportevents handelt. Ein besonderes Highlight ist dabei die Beleuchtung, welche gerade die im Vorfeld angepriesenen Tag- und Nachtwechsel überaus attraktiv macht. Übertrieben haben es die Entwickler dabei glücklicherweise nicht. Die Zeiten, in denen Spielestudios einfach Effekte zum Selbstzweck eingefügt haben – „Seht her, wir können das auch!“ –, scheinen glücklicherweise vorbei zu sein.

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Abseits der Optik überzeugt auch das Fahrgefühl: Die Evolution Studios platzieren DriveClub irgendwo zwischen Arcaderaser und Simulation, das Ergebnis weiß zu gefallen. Echte Simulationsfreaks werden dem Spiel zwar nicht viel abgewinnen können, aber ausnahmslos jede andere Zielgruppe sollte auf ihre Kosten kommen. Das ist insofern verwunderlich, da TriveClub und seine Inhalte eigentlich nicht einmal ansatzweise auf Realismus abzielen – umso erstaunlicher ist es, dass dieser Spagat tatsächlich funktioniert. Gewicht, Beschleunigung und Traktion fahren jedenfalls überaus intuitiv in den PS4-Controller und damit in die Hände des Spielers.
Aber um was geht es überhaupt?
TriveClub erfindet offensichtlich das Rad nicht neu: Der Spieler fährt mit anderen computergesteuerten oder echten Kontrahenten diverse Rennen und der Schnellste gewinnt. Eine offene Spielwelt, wie sie gerade teilweise im Trend liegt, bietet der PS4-Renner nicht. Stattdessen hat der Rennwagenpilot die Wahl zwischen einzelnen Events oder einem Karrieremodus, die Strecken befinden sich dabei entweder in Schottland, Indien, Chile, Norwegen oder Kanada. In jedem dieser Länder warten wiederum elf Strecken, wobei diese Zahl nur dann zustande kommt, wenn man auch die Rückwärtsvarianten einberechnet. Theoretisch sollte diese Vielfalt ausreichen, um eine atemberaubende Abwechslung auf den Bildschirm zu zaubern – aber es reicht leider nicht ganz.

Driveclub

Merkwürdig steril zeigen sich nämlich einige Pisten in TriveClub: Die üblichen Rennspielaccessoires – Luftballons am Himmel, klatschende Zuschauer am Asphaltrand, Laub, Tiere, Vögel und einige Häuser – sind zwar allesamt vorhanden, aber diese Objekte zählten bereits auf PS3 und Xbox 360 zu den absoluten Klischees. Innovationspunkte sammeln sich die Evolution Studios für diese Art der Streckendekoration mit Sicherheit nicht, denn es fehlt praktisch völlig an einprägsamen Erkennungsmerkmalen – schade. Immerhin: Offenbar hat die dadurch eingesparte Rechenkraft dafür gesorgt, dass ausnahmslos alle Strecken eine enorme Weitsicht bieten können. Welche Eigenschaft nun besser gefällt – Weitsicht gegen Lebendigkeit – muss jeder Spieler für sich entscheiden.
TriveClub als Einzelfahrer
Die Kampagne in TriveClub dürfte für Solospieler den größten Anreiz ausüben: Dort werden (auch einzeln auswählbare) Events ausgetragen, die in verschiedene Schwierigkeitsstufen unterteilt sind. Wer auf einer höheren Stufe spielen möchte, muss im vorangegangenen Rennen genügend Sterne sammeln. Das wiederum geschieht durch gute Platzierungen, eine Runde komplett ohne Crash oder auch Herausforderungen, die sich während der Fahrt ändern und permanent eingeblendet werden. Auch hier haben die Evolution Studios und Geldgeber Sony eine Chance vertan: Es gibt keine Story, keine Siegerehrung, keine Rivalitäten zwischen bestimmten Fahrern oder auch nur Charaktere, welche die Karriere mit Leben füllen. Stattdessen werden nur leblose Listen angezeigt, die es abzufertigen gilt. Neue Autos gibt es übrigens, indem der Spieler in TriveClub Erfahrung sammelt, was durch das Fahren der Rennen automatisch geschieht. Es bleibt somit festzuhalten, dass sich die leblose Präsentation leider auch auf den Karrieremodus erstreckt.

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Insgesamt bietet TriveClub übrigens etwas mehr als 50 Autos an. Diese Sammlung soll im Laufe der Zeit mit weiteren Wagen (und auch Strecken) erweitert werden, ohne dass der Spieler dafür den kostenpflichtigen Season Pass benötigt. Wollen wir hoffen, dass die Entwickler zu ihrem Wort stehen. Der Start erinnert dabei ein wenig an Gran Turismo: Die üblichen Kleinwagen aus dem Alltag laden zur eher gemächlichen Raserei ein. Sehr schnell – und vielleicht zu schnell – kommt man jedoch bei den Supersportwagen an und heizt mit Bugatti Veyron, McLaren P1 & Co. über den Asphalt. Ein wenig unschön ist in diesem Zusammenhang jedoch die Tatsache, dass diese Wagen mit Spitzengeschwindigkeiten von über 350 km/h meist gar keine Chance haben, ihre Qualitäten auf den verwinkelten Straßen unter Beweis zu stellen. Vielleicht können hier neue Strecken noch ein wenig Abhilfe schaffen.
Vorsicht, Geisterfahrer!
Nein, ganz so schlimm geht es in TriveClub nicht zu. Allerdings neigt die KI durchaus zu aggressiven Fahrmanövern, die es so in der Realität niemals zu bewundern gäbe. Auch schlägt der gefürchtete Gummibandeffekt leider voll durch: Bei der Nachanalyse eines Rennens kann es durchaus vorkommen, dass Computerfahrer auf Teilabschnitten der Strecken Geschwindigkeiten von 5.000 km/h und mehr erreichen, um den Anschluss an den menschlichen Fahrer nicht zu verlieren – eine Unsitte, die eigentlich aus modernen Rennspielen verbannt gehört. Glück im Unglück: Der angesprochene Karrieremodus wird dadurch gerade zum Schluss sehr schwer, die Käufer von TriveClub sollten also für eine längere Zeit Unterhaltung in dem Sony-Titel finden.

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Die Rettung aus dem Internet?
Viele der angesprochenen Probleme treten nur im Zusammenhang mit den unfehlbaren KI-Fahrern auf – also sollte man TriveClub wahrscheinlich am besten online genießen, oder? Theoretisch stimmt das: Das überaus restriktive Regelwerk wird gegen menschliche Mitspieler entschärft, Gummibänder treten selbstverständlich nicht auf und das Fahrerlebnis präsentiert sich auch mit sehr vielen Kontrahenten sehr flüssig – aber nur dann, wenn TriveClub überhaupt gestartet werden kann. Praktisch seit der Veröffentlichung des Spiels plagen nämlich so viele Fehler das Spiel, dass Onlinefahrten eher einem Glücksspiel gleichen. Wer es derzeit abends an einem Freitag oder Samstag – oder jedem anderen Wochentag, doch am Wochenende ist es besonders schlimm – probieren möchte, wird sehr wahrscheinlich kein einziges Rennen fahren können.

Insgesamt müssten die Entwickler aber ohnehin noch am Online-Modus feilen: Zwei mögliche Events können TriveClub-Besitzer fahren, mehr geht nicht – das ist zu wenig. Eigene Herausforderungen könnten zwar erstellt werden, aber hier mangelt es wieder einmal an einer stabilen Verbindung zu den Servern. Immerhin: Wenn es dann doch einmal klappt und mit Freunden eine Fahrt möglich ist, macht TriveClub durchaus Spaß. Leider ist das jedoch – zumindest derzeit – nur sehr selten der Fall. Kleine Fehlerchen am Konzept selbst sind nur ansatzweise vorhanden: Die Startposition bestimmt häufig bereits den Ausgang des Rennens, was an der arcadelastigen Fahrweise der meisten Spieler im Online-Modus liegt.
Fazit: Wie gut ist TriveClub?
TriveClub ist wohl das perfekte Beispiel eines Titels, der theoretisch sehr viel Spaß machen könnte und welcher schließlich doch durch sehr, sehr viele Kleinigkeiten beeinträchtigt wird – vom derzeit katastrophalen Online-Modus ganz zu schweigen. Das Fahrverhalten fällt ansprechend aus, aber die extrem schnellen Wagen können ihre volle Kraft nur selten entfalten. Online macht TriveClub Spaß, aber es kommt nur selten zu unterbrechungsfreien Rennen. Die Grafik ist über jeden Zweifel erhaben, aber gleichzeitig wirkt sie zu steril. Falls Sony plant, aus TriveClub ein größeres Franchise zu machen, liegt noch viel Arbeit in den Händen der Evolution Studios – doch sobald diese abgeschlossen ist, dürfte uns tatsächlich ein gutes Rennspiel auf der PlayStation 4 zur Verfügung stehen.

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